Was bekommt man als amerikanischer Filmemacher, wenn man einen extrem kritischen Film gegen die eigene Regierung macht? Einen Oscar, viel Erfolg, Applaus und schlimmstenfalls ein paar Buh-Rufe! Was würde geschehen, wenn heraus käme, dass dieser Film nicht nur im Kino und Fernsehen zu sehen ist, sondern manchmal auch bei der New Yorker Polizei geschaut wird – und das auch noch während der Ausbildung? Nichts wäre los! Keine ernstzunehmende Zeitung würde Michael Moore einen Hassprediger nennen und behaupten, er produziere Amerika-Hass-Videos, nur weil er es wagt, sich in seinen Filmen ausschließlich auf die schlechten Seiten Amerikas zu konzentrieren. Die paar Leute, die Michael Moore einen “Vaterlandsverräter” nennen, weil er es wagt, von seinem verfassungsmäßig garantierten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch zu machen und Teile der Vereinigten Staaten von Amerika massiv kritisiert, wie die Regierung, die Wirtschaft, die Waffenlobby und die Pharmaindustrie, sind so in der Minderheit, dass es sogar ein unpatriotischer Akt ist, Michael Moore einen schlechten Amerikaner zu nennen.
Was aber geschieht mit einem muslimischen Filmemacher, wenn er einen extrem kritischen Film gegen die eigene Religion macht? Er bekommt Todesdrohungen und lebt gefährlich! Was würde geschehen, wenn heraus käme, dass dieser Film nicht nur im Kino und im Fernsehen zu sehen ist, sondern auch bei der New Yorker Polizei geschaut wird – und das auch noch während der Ausbildung? Die New Yorker Polizei bekäme wütende Briefe von beleidigten Muslimen und der Erzähler des Filmes sähe sich den Vorwurf ausgesetzt, ein schlechter Muslim zu sein, weil er es wagt, sich auf die schlechten Seiten des Islams zu konzentrieren!
Das deutsche Magazin FOCUS Online geht sogar so weit und nennt den Film “The Third Jihad” ein “Islam-Hass-Video”. Das Magazin FOCUS Online, das noch nicht auf die Idee gekommen ist zu behaupten, Michael Moore hätte Amerika-Hass-Filme produziert, weil er sich auf die Probleme der USA fokussiert und Uta Ranke-Heinemann hätte mit “Eunuchen für das Himmelreich” ein Christen-Hass-Buch geschrieben, weil sie sich radikal auf das Problem der Sexualfeindlichkeit innerhalb der katholischen Kirche konzentriert, nennt den Film “The Third Jihad” ein Islam-Hass-Video und macht somit aus dem Erzähler des Film, Zuhid Jasser, einen Hassprediger, weil er es wagt, sich auf die Probleme seiner eigenen Religion zu konzentrieren.
Mit dieser Sprache bedient sich FOCUS Online ungeniert der Rhetorik der Radikalislamisten, die jede Kritik an den Islam und jede Fokussierung auf die Probleme der Religionsgemeinschaft als unmuslimische Tat brandmarken. FOCUS Online behauptet daduch, dass nur die absolute Unterwerfung unter alle Prinzipien des Korans eines guten Muslims würdig ist. Dies ist nun aber genau die Sprache der radikalen Fundamentalisten.
Tapfer im Nirgendwo verleiht daher den 4. Goldenen Orwell an FOCUS Online für folgende Schlagzeile: “New York bildete Polizei mit Islam-Hass-Video aus”.
Wahrscheinlich werden unzaehlige Polizei-Einheiten sogar mit Kriminalitaets-Hass-Videos ausgebildet – furchtbar!
Das Ziel des Focus seit seiner Gründung, ist nur eines, die Bild-Zeitung unter den Polit-Magazinen zu werden, und er ist es geworden. Immer nach dem Motto, nicht der Artikel ist wichtig, sondern die Schlagzeile, alles andere wird ja sowieso nicht gelesen. Armer Focus! Springer lässt grüßen.
Naja, es stellt sich schon die Frage, inwiefern so ein Film für die Polizisten ausbildungsrelevant ist.
Der FOCUS-Artikel ist allerdings in der Tat extrem schwach, überhaupt scheint der Autor sich keinerlei Mühe gemacht zu haben, über den NYT-Artikel hinaus gehend über das Thema zu recherchieren – stattdessen verwendete er diesen als a priori glaubwürdige Primärquelle (ohne zwischen Berichterstattung und subjektiven Wertungen des NYT-Autors zu unterscheiden), und schrieb auch teilweise recht ungeniert von diesem ab (man vergleiche nur mal den jeweiligen Einleitungsparagraphen).
[1] http://www.nytimes.com/2012/01/24/nyregion/in-police-training-a-dark-film-on-us-muslims.html
Broders bissige Bemerkungen zur Lachhaftigkeit des Rücktrittsbriefs:
-> http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zuruecktreten_aber_yallah/
Pingback: Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev
OT
doch irgendwie passend und gleichzeitig ne dringende Warnung an alle Karnevalisten, es ja nicht zu toll zu treiben ;o)
http://elderofziyon.blogspot.com/2012/01/do-burqa-video-elicits-death-threats.html
“Do the Burqa!” video elicits death threats
noch ein OT
weil heute Sonntag ist und weil’s die Mutter aus’m Sessel holt:
“No more war, no more blood”
http://www.facebook.com/photo.php?v=2017104222258
Es ist ein video, daß man/frau einfach gesehen und gehört haben MUSS
große Freude, großer Genuss
Die Meinung dieser Zeitschrift ist in Ordnung für eine Zeitung aus dem linken Lager. Da erwarte ich nichts anders. Nur gilt der Focus in Deutschland wohl kaum als links.
Man wird auch keine andere Meinung eines deutschen Massenmediums zu diesen und oder zu anderen Themen finden. Yassin Musharbash von Spiegel Online schreibt genau das gleiche. Wenn die FAZ, die BILD, die taz oder die SZ was zu diesem Thema schreiben würden, wäre das Ergebnis auch nicht anders.
In Deutschland gibt es in dieser Hinsicht keine Pluralität. Dasselbe gilt wie Sie richtig sagen für Michael Moore. Den loben in Deutschland alle in den Himmel. Ich habe noch nie in meinem Leben so billige anti-amerikanische Propaganda gesehen, die es so weit in den Mainstream geschafft hat. Ich habe nichts gegen Kritik an meinem Land, aber es muss schon ein bisschen Hirn dahinterstecken.
Michael Moore hat es sogar hinbekommen das Kubanische Gesundheitssystem einen ganzen Film lang als positiv darzustellen. Mir ist es bis heute ein Rätsel wie man sich diese Art von Filmen dauerhaft anschauen kann. Aber die Deutschen stehen offenbar drauf. Und was noch lustiger ist: Einige meiner Landsleute auch. Amerikanischer Multi-Millionär werden mit anti-amerikanischer Kapitalismuskritik. Wenn so etwas in einem Land möglich ist, dann ist man ganz nah dran am Zustand maximaler Freiheit. (Beziehungsweise mitten drin in einer Psychose).
So sehr ich Michael Moores Filme und das was sie vermitteln auch mag, sie sind sehr subjektiv und nicht gerade auf Fakten basierend bzw. die empirischen Nachweise zu seinen Thesen sind teils sehr haarsträubend. Beispiel aus Bowling for Columbine, in dem Moore sinngemäß sagt:
In den Medien hört man immer davon, was South Central L. A./Watts für eine gefährliche Gegend sei. In der Tat aber sieht es ganz anders aus. Ich laufe hier (an einem sonnigen Nachmittag) durch eine sehr schöne, baumbestandene und friedliche Straße. Wie soll das ein gefährlicher Ort sein?
Michael Moore nimmt also als Nachweis dafür, dass South Central in Wahrheit friedlich sei, einen kurzen Spaziergang durch eine sonnige, baumbestandene Straße am Nachmittag.
Nicht wirklich faktenbasiert. Würde des nächtens durch die Siedlung “Imperial COurts” im gleichen Stadtviertel gehen, sähe sein Urteil wohl etwas anders aus….
Michael Moores Filme sind garantiert keine Hassfilme. Sie sind als humorvolle Unterhaltungsfilme gedacht, die politische Inhalte vermitteln. Unterhaltsam, aber auf sehr subjektive und einseitige Art und Weise.
Seine Filme oder Bücher aber werden nicht als offizielle Bildungsmaterialien für öffentlichen Institutionen verwendet, insbesondere nicht für so eine wichtige Institution wie die Polizei. Hier liegt auch der feine Unterschied zur Verwendung von “The Third Jihad”, der zur Ausbildung der Polizei verwendet wird. Der eigentliche Skandal liegt also nicht in “The Third Jihad” an sich sondern daran, dass ein eher subjektives Werk zur Ausbildung der Polizei benutzt wird.
Hierzu aber bedarf neutraler und faktenbasierter Werke die alle Seiten gleichermaßen beleuchten.
Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland, wie das Beispiel Henryk M Broders zeigt: Seine Werke mögen zur Unterhaltung und zur sehr einseitigen Vermittlung politischer Inhalte geeignet sein, was auch vollkommen in Ordnung ist. Obwohl inhaltlich sehr unterschiedlich, merkt man ja, dass die Dokumentationen und Bücher doch sehr stark vom Stil Michael Moores beeinflusst sind, sowohl was die Polemik als auch was die subkjektive Ausrichtung und den Verzicht auf Faktenbasiertheit angeht. So etwas ist ja auch vollkommen in Ordnung. Skanadalös aber daran ist, dass beispielsweise sein Werk “Hurra – Wir kapitulieren” von der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben wird, also quasi als offizielle Bildungslektüre gilt, die den Anspruch auf neutrale Weise faktenbasierte Informationen zum Thema des Islam in Europa zu vermitteln.
Btw. zu den teils überzogenen Reaktionen von Muslimen auf Werke wie “The THird Jihad”: Natürlich sind die skandalös, aber doch letztlich nicht alleine auf den Islam beschränkt. Solche Reaktionen findet man eher unter Fanatikern aller Religionen oder Ideologien. Zeigen beispielsweise die heftigen Reaktionen auf die Kinoaufführungen des Films “die letzte Versuchung Christi”: Radikale Katholiken übten beispielsweise einen Brandanschlag auf ein Pariser Kino aus, in der Film gezeigt wurde…http://www.aggromigrant.com/2011/11/27/angebot-der-pariser-moschee-an-%E2%80%98charlie-hebdo%E2%80%99/
Es ist die Zeit gekommen, dass nur die lobenden Beiträge, Artikel, Bücher und Filme über den Islam gutgeheißen werden. Jegliche Kritik wir als Islamhass und Rassismus interpreitiert. Mehrheit der Menschen hat keine Ahnung, wozu so was führt. Ich lebte 40 Jahre in Osteuropa, wo jegliche Kritik an Sozialismus, Kommunistische Partei oder deren Generalsekretär, an die Sowjetunion, oder die Werke von Lenin als Staatsverbrechen verfolgt wurde. Jeder, der Mut hatte die Partei zu kritisieren, oder die Mängel im System zu zeigen, wurde zum Dissidenten und Staatsfeind erklärt. Im besten Fall verlor er die Arbeit, im schlimmsten Fall musste er in Knast. Am Ende wuchs der Frust der Bevölkeriung in der Masse auf, dass das System in 1989 zusammenbrach. Und so wird mit dem Verbot über Islam was schlechtes zu sagen. Irgendwann werden die Leute Nasevoll von diesen Verboten haben. Ich befürchte aber, dass auch die friedliebenden Muslime, die mit dem Wahnsinn nichts zu tun haben, werden unter den Leidtragenden sein. Die Zahl der Gutmenschen die Mulitkult guteißen geht zurück. Die schweigende Mehrheit hört auf eines Tages zu schweigen. Sarrazin hat bewiesen, dass die Mehrheit der Menschen andere Meinung als Mainstream hat. Leider die Erfahrung der Geschichte zeigt, dass die Emotionen in diesem Land auch exzessive Formen annehmen können. Ich möchte nicht, dass die Moscheen brennen.
@Quisa: Ich bin zwar auf Deiner Seite, was die Anforderung an die “Ausgewogenheit der Information” angeht. Du ziehst daraus m.E. aber den falschen Schluß, das jedes einzelne Werk, das zur Ausbildung oder Bildung herangezogen wird, ausgewogen sein müsse.
Das ist m.E. falsch. Wesentlich ist nur, das das Gesamtbild ausgewogen ist.
D.h, das dem weit in der Überzahl verbreiteten apologogetischen bis grob desinformierenden Materials entsprechend andere Information entgegengestellt wird.
… warum Ausgewogenheit? Die findet nur im Kopf statt, mag sogar lobenswert gemeint sein. Bei manchem Thema geht es jedoch nur parteiisch, denn anderenfalls wiegt man Melasse mit Teer auf, und die Gerechtigkeit geht flöten.
Etwa Ayaan Hirsi Ali ist so ein Thema. Grad die Meinungen, die hier um Ausgewogenheit bemüht sind, ergehen sich in Relativismus, wollen ihr am Zeug flicken. Wie oft las man, dass sie rechts sei, so erstaunlich neutral formuliert, aber Böses meinend.
Bei Brodern ebenso. À propos, Falls er etwa durch South Central L.A. im Sonnenschein lustwandelte, wäre es ironisch gemeint. Bei Michael Moore freilich nicht, der nimmt sich Ernst.
Aristobulus schreibt:
Februar 1, 2012 um 8:09 pm
Ich habe Moore primär nur einmal im Podcast erlebt, in einem Interview, ich glaube es war bei Tavis Smiley. Da nahm er sich ernst, voll ernst, noch ernster in dem Sinne von, wenn die nur auf ihn hören würden, wäre das Paradies längst wieder hienieden zugänglich.
Das wäre ein Paradies, alle Welt würde South Centrals Avenuen spazierengehend sowas von verstopfen, sodass die echten Dr.Dres und Gangsta frustiert nach Venice Beach zögen, alle Welt würde lustighässliche Baseballcaps tragen und qua correctness tragen müssen, McDonalds würde Zwecks Gewinnung der allgemeinverbindlichen Entenfigur wahnsinnige Umsätze machen, die Kirchen würden ihre Teufelsgemälde gegen Schorsch Dabbeljuh austauschen, der Kongress würde nach dem Vorbild der Sandinisten reorganisiert werden, Frisöre würden alle zumachen, um Globalisierungskritiker zu werden, Corporate America wär unendlich untendurcher als alles völligst Untendurche jemals, alle dick und rothaarig Übriggebliebenen mit unwillkürlichem Grinsemund würden sich einen Button anstecken mit “quoth the raven, no stupid whites evermore” (aber nicht auf Amerikanisch!, denn Amerikanisch ist doch schlecht!), Occupy bekäme das gesamte Militärbudget, Saddam Hussein bekäme ein Denkmal in Littleton – und wer weiß, vielleicht wäre der Moschiach da.
- Habe mir mal sowas ausgedacht, in ganz anderem Zusammenhang, und daraufhin warf mir einer Fundamentalismus vor, dochdoch.
-> http://rzkultur.de/?kat=95&cont=10483